Neue weltweiser-Studie: 5.072 deutsche Jugendliche entschieden sich 2024/25 für eine US-Highschool. Der Anteil der USA ist innerhalb von gut 20 Jahren jedoch von rund zwei Dritteln auf 39 Prozent gesunken. Für 2025/26 zeichnet sich eine verhaltenere Nachfrage ab.
Bonn, 6.8.2026. Die Vereinigten Staaten bleiben das mit Abstand beliebteste Gastland deutscher Austauschschülerinnen und Austauschschüler. Im Programmjahr 2024/25 gingen 5.072 Jugendliche aus Deutschland für mindestens drei Monate an eine öffentliche Schule in den USA. Damit entfielen rund 39 Prozent der von Austauschorganisationen begleiteten Schulaufenthalte auf die Vereinigten Staaten.
Die neue weltweiser-Studie zeigt jedoch zugleich einen grundlegenden Wandel: Zu Beginn der statistischen Erfassung im Programmjahr 2002/03 entschieden sich noch rund 8.000 von insgesamt 12.000 Teilnehmenden für die USA – etwa zwei Drittel aller Austauschschüler:innen. Bis zum Schuljahr 2009/10 war das USA-Programm allein größer als sämtliche anderen Länderprogramme zusammen. Heute verteilt sich die Nachfrage deutlich breiter auf verschiedene Gastländer.
„Die USA sind weiterhin das wichtigste Gastland. Die Zeiten, in denen ein Schuljahr im Ausland jedoch beinahe automatisch ein Schuljahr in den Vereinigten Staaten bedeutete, sind vorbei“, erklärt Thomas Terbeck, Gründer und Geschäftsführer von weltweiser. „Jugendliche und ihre Familien beschäftigen sich heute intensiver mit unterschiedlichen Bildungssystemen, Programmmodellen und Gastländern.“
Leichte Erholung – aber deutlich unter früheren Höchstständen
Nach dem starken Einbruch während der Corona-Pandemie haben sich die USA-Zahlen wieder erholt. Im Programmjahr 2022/23 verbrachten rund 4.750 deutsche Jugendliche einen mehrmonatigen Schulaufenthalt in den Vereinigten Staaten. 2024/25 waren es bereits wieder 5.072.
Langfristig liegt die Teilnehmendenzahl dennoch deutlich unter den früheren Höchstständen. Ende der 2000er-Jahre reisten jährlich mehr als 8.000 deutsche Austauschschüler:innen in die USA. Während die absolute Zahl zurückgegangen ist, sind andere Destinationen gewachsen und haben das Angebot im Schüleraustausch erheblich verbreitert.
„Von einem Bedeutungsverlust der USA kann man trotz des langfristig rückläufigen Anteils nicht sprechen“, betont Terbeck. „Mehr als 5.000 Jugendliche pro Jahr sind eine beachtliche Zahl. Gleichzeitig hat sich aus dem früher stark auf die USA konzentrierten Schüleraustausch ein vielfältiger internationaler Bildungsmarkt entwickelt.“
Fast neun von zehn Jugendlichen wählen ein englischsprachiges Gastland
Auch wenn die Dominanz der USA abgenommen hat, bleibt der Wunsch nach einem englischsprachigen Schulalltag ungebrochen. Mehr als 88 Prozent der Teilnehmenden verbrachten ihren Schüleraustausch 2024/25 in einem von sechs englischsprachigen Ländern.
Hinter den USA folgte Kanada mit 3.243 Austauschschüler:innen. Neuseeland belegte mit 1.266 Teilnehmenden den dritten Platz. Danach folgten Irland mit 786, Australien mit 663 und Großbritannien mit 472 Jugendlichen. Zusammen nahmen diese sechs Länder rund 11.500 der insgesamt etwa 13.000 Teilnehmenden auf, die über eine Austauschorganisation oder Agentur eine öffentliche Schule im Ausland besuchten.
Kanada hat sich dabei langfristig als stärkste Alternative zu den Vereinigten Staaten etabliert. Anders als bei klassischen USA-Programmen können Familien in Kanada häufig eine bestimmte Provinz, einen Schuldistrikt oder sogar eine konkrete Schule auswählen. Auch Neuseeland, Australien und Irland sprechen Familien an, die ein englischsprachiges Bildungssystem suchen, sich aber bewusst gegen die USA entscheiden.
Aktuelle US-Zahlen bestätigen Deutschlands besondere Bedeutung
Einen ergänzenden Blick auf das Schuljahr 2025/26 liefert der aktuelle Bericht des amerikanischen Council on Standards for International Educational Travel, kurz CSIET. Danach wurden von den teilnehmenden US-amerikanischen Austauschprogrammen 4.553 deutsche Schülerinnen und Schüler in den Vereinigten Staaten erfasst.
Deutschland liegt damit deutlich vor Spanien mit 3.703 und Italien mit 2.665 Teilnehmenden. Rund 20,7 Prozent aller im CSIET-Report erfassten internationalen Austauschschüler:innen in den USA kamen aus Deutschland. Unter den Jugendlichen mit einem J-1-Visum stellten Deutsche mit 3.956 Teilnehmenden ebenfalls die größte nationale Gruppe. Weitere 597 deutsche Jugendliche wurden im Rahmen von F-1-Programmen erfasst.
Die Zahlen unterstreichen, wie eng der deutsche Schüleraustausch weiterhin mit den Vereinigten Staaten verbunden ist. Selbst in einem inzwischen deutlich vielfältigeren Markt bleibt Deutschland eines der wichtigsten Herkunftsländer für amerikanische High-School-Programme.
US-Schüleraustausch gerät insgesamt unter Druck
Der CSIET-Report zeigt zugleich, dass die Zahl der internationalen Jugendlichen an amerikanischen Schulen im Schuljahr 2025/26 insgesamt zurückgegangen ist. Bei den überwiegend kulturell ausgerichteten J-1-Programmen sank die Teilnehmendenzahl gegenüber dem Vorjahr um 6,85 Prozent. Bei den häufig schulgebührenpflichtigen F-1-Programmen betrug der Rückgang 12,61 Prozent. Insgesamt erfasste CSIET 21.997 internationale Schülerinnen und Schüler mit J-1- oder F-1-Visum.
Die weltweiser-Studie und der CSIET-Report betrachten den Austausch aus unterschiedlichen Perspektiven. weltweiser erhebt die Ausreisezahlen deutscher Jugendlicher bei deutschen Austauschorganisationen und Agenturen. CSIET wertet dagegen die Meldungen US-amerikanischer Programme aus, die sich freiwillig um eine CSIET-Zertifizierung bewerben. Nicht alle Anbieter werden darin erfasst. Die absoluten Zahlen sind daher nicht unmittelbar miteinander vergleichbar, ergänzen sich jedoch in ihrer Aussage: Die USA bleiben für deutsche Jugendliche außerordentlich wichtig, während die Nachfrage insgesamt vorsichtiger wird. CSIET weist selbst darauf hin, dass sein Bericht nicht sämtliche US-amerikanischen Austauschorganisationen abbildet.
Ausblick auf 2026: Familien entscheiden zurückhaltender
Auch die aktuellen Marktbeobachtungen von weltweiser weisen für das Jahr 2026 auf eine verhaltenere Nachfrage nach USA-Programmen hin. Diese Einschätzung ist noch nicht Bestandteil einer repräsentativen statistischen Erhebung, zeigt sich jedoch in Beratungsgesprächen, Messekontakten und Rückmeldungen aus der Austauschbranche.
Als Gründe nennt weltweiser unter anderem die geopolitische Lage, die politische Entwicklung unter der zweiten Trump-Regierung sowie Unsicherheiten rund um Einreise- und Visaverfahren. Die US-Regierung hat die Überprüfung von Antragstellenden ausgeweitet; bei F- und J-Visa wird unter anderem die öffentlich zugängliche Onlinepräsenz in die Prüfung einbezogen.
„Wir erleben keinen vollständigen Rückzug vom Gastland USA, wohl aber eine neue Nachdenklichkeit“, erklärt Terbeck. „Viele Familien prüfen genauer, welche politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sie vor Ort erwarten. Kanada, Neuseeland, Irland oder Australien werden dadurch häufiger als Alternativen in die Entscheidung einbezogen.“
Gerade in politisch angespannten Zeiten bleibe der persönliche Austausch jedoch von besonderer Bedeutung. Ein Schuljahr im Ausland ermögliche Jugendlichen, sich ein eigenes Bild vom Gastland zu machen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und internationale Freundschaften aufzubauen.
„Schüleraustausch bedeutet, Menschen und ihren Alltag jenseits von Schlagzeilen und politischen Debatten kennenzulernen“, so Terbeck. „Diese persönlichen Begegnungen sind gerade dann wichtig, wenn die Beziehungen zwischen Staaten schwieriger werden.“
Über die weltweiser-Studie
weltweiser erhebt seit mehr als 20 Jahren gemeinsam mit deutschen Austauschorganisationen systematisch Zahlen und Entwicklungen zum Schüleraustausch. Für das Programmjahr 2024/25 stellten 61 Organisationen Daten zur Verfügung. Die zwölfte Auflage der weltweiser-Studie untersucht unter anderem die Entwicklung der Teilnehmendenzahlen, die beliebtesten Gastländer, Aufenthaltsdauern, Gastfamilienplatzierungen und Unterschiede zwischen den Bundesländern.
Die vollständige weltweiser-Studie – Auslandsaufenthalte 2026 steht kostenlos zur Verfügung: https://weltweiser.de/publikationen/weltweiser-studie/
weltweiser ist ein unabhängiger Bildungsberatungsdienst & Verlag. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, sachkundig über Auslandsaufenthalte und internationale Bildungsangebote wie Schüleraustausch, High-School-Aufenthalte, Sprachreisen, Au-Pair, Work & Travel, Praktika, Freiwilligendienste sowie Studium im Ausland zu informieren. Wir sind weder eine Austauschorganisation noch ein Reiseveranstalter. Auf unseren bundesweit stattfindenden JugendBildungsmessen ermöglichen wir angehenden Weltentdecker:innen, sich persönlich von Expert:innen der internationalen Austausch- und Bildungsbranche beraten zu lassen. Darüber hinaus veröffentlichen wir Ratgeber zu Auslandsaufenthalten, betreiben verschiedene Online-Plattformen und halten Vorträge an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Im Rahmen unserer Beratung bieten wir Jugendlichen Orientierung zu den unterschiedlichen Wegen ins Ausland, um für jeden einzelnen Interessenten das individuell beste Programm zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass langfristige Auslandsaufenthalte nicht nur akademisch von großem Nutzen sind, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leisten können. Die Chance, eine andere Kultur zu erleben und seinen persönlichen Horizont zu erweitern, sollte man sich nicht entgehen lassen.
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