Ausgezeichnete Ideen: neue Bildgebungsverfahren zur Krebsdiagnostik oder Nanopropeller für die okulare Gentherapie

Science2Start-Preisverleihung beim BioRegio STERN-Sommerempfang in T?bingen

(Stuttgart/T?bingen) – Der Sommerempfang der BioRegio STERN Management GmbH bot auch in diesem Jahr den festlichen Rahmen f?r die Science2Start-Preisverleihung. An der Sternwarte in T?bingen wurden am vergangenen Donnerstag bereits zum 15. Mal ausgezeichnete Ideen von Wissenschaftlern und Gr?ndern gew?rdigt, die nach Meinung einer Expertenjury besonderes wirtschaftliches Potenzial haben. ?ber den ersten Platz freuten sich PD Dr. Kilian Wistuba-Hamprecht, Prof. Dr. Manfred Claassen, Dr. Dr. Saskia Biskup, Dr. Aaron Mayer und Prof. Dr. Dr. Christian Sch?rch. Sie entwickeln mit “Vicinity Bio” Produkte f?r Forschung und digitale Krebsdiagnostik mittels hochdimensionaler in-situ-ProteOMICs-Bildgebungsverfahren und KI-gest?tzter Analyseprozesse. Den zweiten Platz belegte das Team um Dr. rer. nat. Sven Schnichels und Dr. rer. nat. Jose Hurst von der Universit?ts-Augenklinik T?bingen mit dem Projekt “REVeyeVE” mit einem steuer- und abbaubaren Nanopropeller f?r die okulare Gentherapie. Die Jury vergab zwei dritte Preise: Ein Preis ging an Dr. Latifa Zekri von der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie. Sie hat mit ihrem Team ein ACE2-M- Fusionsprotein entwickelt, das als neues Therapeutikum gegen SARS-CoV-2 eingesetzt werden kann. Das ACE2-M hat die Funktion eines “Virus Neutralizer” und ist auch bei den verschiedenen SARS-CoV-2-Escape-Varianten wirksam. Ein weiterer dritter Platz ging an Michael Pfeifer, Markus Schandar, Richard R?sch vom Fraunhofer-Institut f?r Produktionstechnik IPA f?r “SteriDoc”, eine Technologie, die die sterile Konnektierung, also Verbindung, im Labor vereinfacht.

Der Sommerempfang der BioRegio STERN Management GmbH wurde gemeinsam mit dem Verein zur F?rderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. und der Technologieparks T?bingen-Reutlingen (TTR) GmbH veranstaltet. Im Rahmen dieses gro?en regionalen Branchentreffens von Unternehmern, Wissenschaftlern, Investoren und Politikern fand die Preisverleihung des 15. Science2Start Wettbewerbs statt, der wirtschaftlich aussichtsreiche Life-Sciences-Ideen von Wissenschaftlern und Gr?ndern aus der Region auszeichnet. Die Preisgelder in H?he von insgesamt 5.500 Euro hatten erneut Voelker & Partner Rechtsanw?lte Steuerberater Wirtschaftspr?fer ausgelobt. In ihrer Keynote begl?ckw?nschte Ehrengast Dr. Viola Bronsema, Gesch?ftsf?hrerin von BIO Deutschland, die Preistr?ger zu ihren au?erordentlichen Leistungen.

Die Preistr?ger des Science2Start-Wettbewerbs 2024

Platz 1: “Vicinity Bio”
Hochdimensionale Bildgebungsverfahren f?r Krebsdiagnostik und Forschung PD Dr. Kilian Wistuba-Hamprecht, Prof. Dr. Manfred Claassen, Dr. Dr. Saskia Biskup, Dr. Aaron Mayer und Prof. Dr. Dr. Christian Sch?rch

Checkpoint-Inhibitoren, Krebsimpfungen, adoptiver Zelltransfer oder genetisch modulierte Zelltherapien: Inzwischen gibt es zahlreiche erfolgsversprechende Krebsimmuntherapieans?tze. Je breiter zuk?nftig die Therapiewahl wird, desto wichtiger sind Biomarker, die Aufschluss ?ber die bestm?gliche Wahl einer Therapie bei individuellen Patienten geben k?nnen. “Vicinity Bio” wird mittels innovativer Technologieplattformen (high-dimensional in-situ proteOMICs imaging), fachlicher Expertise und KI-gest?tzter Analyseprozesse Biomarker f?r alternative Therapieoptionen identifizieren, und helfen Mechanismen f?r zuk?nftige Therapien beispielsweise bei Tumor- oder inflammatorischen Erkrankungen aufzukl?ren. Die Produktlinien von Vicinity Bio k?nnen mehr als 150 Marker, mit subzellul?rer Aufl?sung auf einem einzigen Gewebeschnitt (bspw. Biopsie), visualisieren und somit zum Beispiel die Komposition von Tumoren, ihrer invasiven Front und das angrenzende, nicht maligne Gewebe, hochdimensional darstellen. Vicinity Bio vervollst?ndigt herk?mmliche pathologische Untersuchungen und vereint Fachgebiete der Immunologie, Zellbiologie, Biochemie, Onkologie, Pathologie und den Computerwissenschaften zu einer r?umlich aufl?senden Biologie. Ziel ist die Personalisierung von fundierten Therapieempfehlungen durch hochdimensionale und digitalisierte Krebsdiagnostik.

Platz 2: “REVeyeVE”
Steuer- und abbaubare Nanopropeller f?r die okulare Gentherapie
Dr. Sven Schnichels und Dr. Jose Hurst, Universit?ts-Augenklinik T?bingen

Das Einbringen von Gentherapeutika wie RNA oder DNA-Plasmiden ins Augengewebe st??t immer noch auf gro?e H?rden. Die aktuellen Therapien in der Klinik als auch in der Entwicklung basieren gr??tenteils auf viralen Vektoren. Neben Immunreaktionen ist die Effizienz h?ufig nicht ausreichend, oder es werden nicht die richtigen Zielzellen erreicht. REVeyeVE – ein Projekt aus der pr?klinischen Forschung – ist ein neuartiges virusfreies Gentherapievehikel, das Nanopropeller verwendet, die mithilfe von Magneten durch das Auge gesteuert werden und schlie?lich die Therapeutika an der richtigen Stelle der Netzhaut freisetzen. Dies bietet Patienten mit erblichen, bisher nicht behandelbaren Netzhauterkrankungen, eine potenzielle Behandlungsoption. Im Vergleich zu den aktuellen Therapien bieten die Nanopropeller den Vorteil, dass sie modifizierbar sind und eine hohe Flexibilit?t aufweisen: Neben verschiedenen RNA-Typen k?nnen auch gro?e Gene transportiert werden. Die Transfektion mit den Nanopropellern zeigt eine hohe Effizienz, das hei?t, das Einbringen von DNA und RNA ist erfolgreicher als mit anderen Methoden. Dar?ber hinaus sind die Nanopropeller abbaubar und besitzen eine hohe biologische Vertr?glichkeit.

Platz 3: “Virus neutralizer”
Ein ACE2-M Fusionsprotein als Therapeutikum gegen SARS-CoV-2
Dr. Latifa Zekri von der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie, die sowohl am Universit?tsklinikum T?bingen als auch am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und dem Deutschen Konsortium f?r Translationale Krebsforschung (DKTK) angesiedelt ist, Prof. Dr. Gundram Jung, Prof. Dr. Helmut Salih und Prof. Dr. Michael Schindler vom Universit?tsklinikum T?bingen

Das Team hat ein ACE2-M-Fusionsprotein entwickelt, das als neues Therapeutikum gegen SARS-CoV-2 eingesetzt werden kann. Das ACE2-M hat die Funktion eines “Virus Neutralizer” und ist auch bei den verschiedenen SARS-CoV-2-Escape-Varianten wirksam. Das Projekt wird im Rahmen des beLAB2122 Partnerships gef?rdert.

Es besteht ein dringender Bedarf an wirksamen, antiviralen Reagenzien zur Bek?mpfung bestehender und k?nftiger Virusinfektionen. W?hrend der COVID-19-Pandemie wurden monoklonale Antik?rper mit starker neutralisierender Wirkung entwickelt, von denen die meisten auf die rezeptorbindende Dom?ne (RBD) des viralen Spike-Proteins abzielen, das an den ACE2-Rezeptor auf den Zielzellen bindet. Mehrere dieser Reagenzien wurden f?r den Einsatz in den fr?hen Phasen der Infektion zugelassen. Ihre neutralisierende Wirkung hat jedoch aufgrund aufeinander folgender Mutationen in den SARS-CoV-2-Varianten abgenommen. Im Gegensatz dazu hat das Spike-Protein der Omikron-Varianten seine Affinit?t f?r den ACE2-Rezeptor erh?ht, was zu einer h?heren Virus-Infektiosit?t f?hrt. Das Team hat einen “Virus neutralizer” entwickelt, ein ACE2-Fc-Fusionsprotein mit der Bezeichnung ACE2-M, das alle SARS-CoV-2-Varianten neutralisieren kann. ACE2-M wurde so konzipiert und charakterisiert, dass es der viralen Immunevasion entgegenwirkt, was es besonders wirksam gegen neu auftretende Coronaviren im Rahmen der Pandemievorsorge macht.

Platz 3: “SteriDoc”
Steriler Einfachkonnektor f?r das Labor
Michael Pfeifer, Markus Schandar, Richard R?sch, Fraunhofer IPA, Stuttgart

Ein zentraler Vorgang bei der Herstellung moderner Therapeutika, beispielsweise mit k?rpereigenen Zellen, ist das Liquidhandling, das in offenen Gef??en unter Reinraumbedingungen stattfinden muss. “SteriDoc” erm?glicht die Produktion innerhalb eines geschlossenen Systems und bietet den Vorteil, dass die
Anforderungen an die Umgebung gesenkt werden k?nnen. Die Idee ist eine Verbindungvorrichtung und ein Verbrauchselement in Nadelform, das durch Hitze sterilisiert wird und dann in das Septum (Durchstichmembran) eines kleinen Fl?schchens (Vial), eingestochen wird. Die Verbindungsvorrichtung liefert durch eine Induktionsspule oder Heizelement die erforderliche Energie zur Erhitzung einer steril teilummantelten leitf?higen Nadel, deren ?ffnung im Moment des Einstechens zum Vial hin freigegeben wird. Sterile Verbindungsprozesse zu Vials k?nnen so in Reinraumanlagen mit niedriger Klassifizierung durchgef?hrt und zuk?nftig hoffentlich au?erhalb des Reinraums durchgef?hrt werden.

Keywords:BioRegio STERN Management GmbH, Medizintechnik, Forschung, Gesundheit

adresse