Ein Waffenfund aus der Steinzeit von Weltrang

Interview mit dem Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst ?ber sein Taschenbuch ?Die Lanze von Lehringen?

Frage: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Taschenbuch ?ber die Lanze von Lehringen zu schreiben?

Antwort: Die Lanze von Lehringen habe ich bereits in meinen B?chern ?Deutschland in der Steinzeit?, ?Rekorde der Urzeit? und ?Rekorde der Urmenschen? kurz erw?hnt. 2021 wollte ich ?ber die Kulturstufe Sp?tacheul?en vor etwa 150.000 bis 100.000 Jahren eine Brosch?re schreiben. Doch bei den Nachforschungen hierf?r schlug mich immer mehr die 1948 bei Lehringen entdeckte Lanze aus der Altsteinzeit vor etwa 125.000 Jahren in ihren Bann. Irgendwann entschloss ich mich zu einem Taschenbuch mit dem Titel ?Die Lanze von Lehringen?.

Frage: Was ist das Besondere an der in einer Mergelgrube bei Lehringen entdeckten Lanze? Man hat doch weitere Lanzen und Speere in Europa entdeckt: Lanzenspitze in Clacton-on-Sea in S?dengland, Lanzenspitzen von Torralba und Ambrona in Spanien, Teile von zwei Lanzen in Bilzingsleben in Th?ringen, drei St?cke einer Lanze in Bad Cannstatt in Baden-W?rttemberg sowie acht Wurfspeere im Braunkohlen-Tagebau Sch?ningen in Niedersachsen.

Antwort: Die Lanze von Lehringen steckte im Skelett eines sch?tzungsweise 4 Meter hohen Europ?ischen Waldelefanten. Sie gilt als ein Fund von weltweiter Bedeutung, weil sie erstmals bewies, dass Neandertaler bereits aktiv Gro?wild jagten und dabei Holzlanzen benutzten. Vorher hatte man diesen Urmenschen dies nicht zugetraut.

Frage: Was hat Sie bei Ihren Nachforschungen ?ber die Lanze von Lehringen am meisten ?berrascht?

Antwort: Mehr als 70 Jahre nach der Entdeckung des Waldelefanten und der Lanze sind sich Wissenschaftler immer noch uneins, wie das riesige R?sseltier zur Strecke gebracht wurde. Man vermutet beispielsweise, die Jagd auf den Waldelefanten habe bereits weitab vom Fundort von 1948 im Busch oder Wald begonnen. Das Tier sei von einem mit Gift bestrichenen Speer getroffen worden, in einen See bei Lehringen gefl?chtet, dort gestorben und geschlachtet worden. Andere Autoren/innen spekulierten, J?ger h?tten einen Elefanten aufgesp?rt, der in einem Sumpf feststeckte. Vielleicht h?tte man ihn durch eine List dort hinein getrieben und dann erlegt. Ein Experte meinte sogar, die bei Lehringen gefundene Holzstange sei keine Lanze, sondern ein Grabstock gewesen, der durch die Str?mung im See in das Skelett des Elefanten geraten sei.

Frage: Hat Sie noch etwas gewundert?

Antwort: Ja, man kennt den Namen des Baggerfahrers nicht mehr, der in der Mergelgrube bei Lehringen auf die Skelettreste des Waldelefanten gesto?en war. Unklar ist auch, wer als Erster die Lanze entdeckt hat. War es der Rektor i. R. Aleander Rosenbrock, der die Ausgrabungen von 1948 bis 1950 bei Lehringen leitete oder waren es seine Tochter Waltraut und der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Rudolf Biere oder war es der Lehrer und ehrenamtliche Kreisarchivpfleger Otto Voigt? Verwirrend sind auch die Angaben ?ber die Zahl der Bruchst?cke und der Gesamtl?nge der Lanze.

Frage: Gab es bei den Nachforschungen auch Erfreuliches?

Antwort: Sehr wertvoll war die Hilfe von Nachkommen der ehemaligen Ausgr?ber Alexander Rosenbrock, Waltraut Deibel-Rosenbrock und Rudolf Biere. Zum Gelingen des Taschenbuches ?Die Lanze von Lehringen? hat vor allem Stephan Deibel, der in den USA lebende Enkel von Alexander Rosenbrock beigetragen. Er steuerte zahlreiche Ausk?nfte und Fotos bei und befragte mehrfach seine ebenfalls in den USA lebende 1928 geborene Mutter Waltraut Deibel-Rosenbrock.

Frage: Haben Sie einen Wunsch wegen der Lanze von Lehringen?

Antwort: Ich dr?cke Uwe Panten, dem Ortsvorsteher von Neddenaverbergen, zu dem der Ortsteil Lehringen geh?rt, alle Daumen, dass sein Plan gl?ckt, die Entdeckung des Waldelefanten und der Lanze von Lehringen mehr ins Bewusstsein der ?ffentlichkeit zu r?cken und einen Platz nach Alexander Rosenbrock zu benennen. Alexander Rosenbrock und seine Tochter Waltraut Deibel-Rosenbrock h?tten es zudem verdient, das ihr Leben und Werk in einem Buch ausf?hrlich gew?rdigt werden.

Frage: Wo ist Ihr Taschenbuch ?Die Lanze von Lehringen? erh?ltlich?

Antwort: Das reich bebilderte Taschenbuch ?Die Lanze von Lehringen? mit zahlreichen wenig bekannten Fakten ist nur bei Amazon im Internet weltweit erh?ltlich.

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