Eine Begegnung mit der Vergangenheit: Camper schwelgen in ostdeutscher Nostalgie

Drei Jahrzehnte sind seit der Wiedervereinigung Deutschlands vergangen, aber Campingfreunde aus der ehemaligen DDR lassen sich zweimal im Jahr die Vergangenheit Revue passieren und vergessen, wie viel sich verändert hat.

Für die meisten der 150 Familien, die sich an einem See am Rande der Oststadt Leipzigs treffen, geht es bei den zweimal im Jahr stattfindenden Treffen nicht um Kapitalismus oder Kommunismus, Ost oder West, sondern um ein bisschen Nostalgie unter Freunden mit gemeinsamen Erlebnissen.

Das offizielle Herbsttreffen wurde wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt, aber etwa 75 Hardcore-Campingfamilien machten ihre eigene private Pilgerfahrt, um die Tradition, die 2003 begann, am Leben zu erhalten.

Die Ankunft am Auensee ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Trabant und Wartburg, ostdeutsche Fabrikate, die seit langem eingestellt sind, stehen neben alten QEK- und Brilliant-Wohnwagen. Die Besitzer schlendern umher und plaudern über vergangene Tage in der ehemaligen DDR.

“Für mich ist dies ein Ausdruck der Freude, ein Ausdruck der Solidarität, ein Ausdruck der Tradition und auch ein Stück Dankbarkeit, denn was wir hier haben und womit wir gerne reisen und Zeit verbringen, kommt aus der Region”, pensionierter Unternehmensberater Karel Gerolt, 69.

Geboren in der Stadt Ostrava in der damaligen Tschechoslowakei, zog Gerolt 1975 in die ostdeutsche Stadt Dresden. Er und seine Frau Beate, beide begeisterte Campingfans, begannen mit Zelten, stiegen aber nach der Geburt ihrer Kinder zu einem Brilliant-Wohnwagen auf.

“Ich würde sagen, dass ich alles richtig gemacht habe”, sagte Gerolt. “Der Weg, den ich ging, den wir gingen, war der richtige Weg. Man lernt immer dazu.”

Gerolts Schwerpunkt in den ersten Jahren nach der deutschen Wiedervereinigung war die Anpassung an das neue Land seiner Familie, und er hatte wenig Zeit, sich seinem alten Hobby zu widmen.

Doch schließlich fühlte er sich eingelebt und machte sich 2005 mit seinem alten Wohnmobil im Schlepptau wieder auf den Weg und wurde zu einem Stammgast bei den Auensee-Treffen.

Eine neuere Teilnehmerin ist Kerstin Ade, 61, ein Campingfan aus der Stadt Sebnitz. Sie und ihr Partner kauften 2015 einen gebrauchten QEK Aero-Wohnwagen und schwelgen in der Nostalgie der Auensee-Besuche.

Ade stattete das Innere des Wohnwagens sorgfältig mit Originalmöbeln und Bettwäsche aus Ostdeutschland aus.

“Für mich ist das hier immer noch wie im ehemaligen Osten”, sagte sie. “Wir haben die Menschen hier kennen und verstehen gelernt, und wir treffen uns zweimal im Jahr.”

Rene Grunert war 13 Jahre alt, als die Berliner Mauer fiel. Der Bewohner der sächsischen Landesstadt Plauen sagt, dass die zweimal jährlich stattfindenden Camping-Wochenenden eine Möglichkeit sind, mehr über das ehemalige Ostdeutschland zu erfahren.

“Insgesamt hat man nicht wirklich viel gemerkt. Dreißig Jahre sind vergangen und man fragt sich: ‘Ist es schon 30 Jahre her?'”, sagt Grunert, der heute einen erfolgreichen Gartenbaubetrieb führt. “Das ist so faszinierend.”

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