Ganz schön heiß hier!

ARAG Experte Tobias Klingelh?fer ?ber Hitzefrei f?r Arbeitnehmer und Sch?ler

Wenn die Sonne scheint und alle nach drau?en lockt, ist das eigentlich ein echter Grund zur Freude. Der Spa? vergeht allerdings meistens recht schnell, wenn man an hei?en Sommertagen in ?berhitzten R?umen arbeiten oder lernen muss. Welche Rechte Arbeitnehmer und Sch?ler dann haben und wann es Hitzefrei gibt, wei? der ARAG Experte Tobias Klingelh?fer.

Das Thema Hitzefrei sorgt jedes Jahr f?r hei?e Diskussionen. F?r wen kommt das denn ?berhaupt in Frage?
Tobias Klingelh?fer: Hitzefrei ist ein Privileg, das leider nur Sch?ler genie?en. Allerdings gibt es kein bundesweites Hitzefreigesetz: Wann Sch?ler an hei?en Tagen fr?her nach Hause d?rfen, wird grunds?tzlich in den Kultusministerien der L?nder entschieden. In Berlin gibt es zum Beispiel gar kein Hitzefrei mehr; da wird dann einfach in k?hleren R?umen oder drau?en unterrichtet. Ansonsten d?rfen in der Regel die Schulleiter individuell sowie nach Bauart und Lage der Schule entscheiden, ob und ab welchen Temperaturen sie Hitzefrei geben. Wird der Unterricht in Ganztags- und Grundschulen vorzeitig beendet, m?ssen die Eltern allerdings dar?ber vorher informiert werden.

Was ist denn mit kleinen Kindern von berufst?tigen Eltern, die betreut werden m?ssen?
Tobias Klingelh?fer: Bekommen Kinder der Sekundarstufe I Hitzefrei oder der Unterricht wird eher beendet, k?nnen Eltern, ?hnlich wie bei Kinderkrankentagen, freigestellt werden, sofern sie keine andere Betreuung f?r den Nachwuchs finden. Grunds?tzlich muss ein Arbeitnehmer so eine Freistellung aber nicht bezahlen – es sei denn, der Fall ist im Arbeitsvertrag als Sonderurlaub geregelt. Wer das verhindern will, kann f?r den Fall, dass es niemanden gibt, der kurzfristig auf den Nachwuchs aufpassen k?nnte, aber ja auch mal in der Chefetage nachfragen, ob man die Fehlzeit nicht eventuell nacharbeiten kann.

Worauf haben Arbeitnehmer bei extremer Hitze noch Anspruch und worauf nicht?
Tobias Klingelh?fer: Grunds?tzlich hat man selbst bei gr??ter Hitze keinen automatischen Anspruch auf Arbeitsbefreiung, Verk?rzung der Arbeitszeit oder Verl?ngerung der Pausen. Der Arbeitgeber muss allerdings die “Technischen Regeln f?r Arbeitsst?tten” (ASR) beachten. Demnach sollen bei einer Lufttemperatur in Arbeitsr?umen ?ber 26 Grad Celsius Schutzma?nahmen gegen die Hitze ergriffen werden. Liegt sie dar?ber, weil es drau?en noch w?rmer ist, darf man aber nicht einfach nach Hause gehen und die Arbeit einstellen. Allerdings kann man bei extremer Hitze durchaus einen Gang zur?ckschalten. Um Stress zu vermeiden, w?rde ich das aber nur nach vorheriger R?cksprache mit dem Arbeitgeber, dem Betriebsrat oder einem Rechtsanwalt tun.

Und was ist, wenn ich die Arbeit bei schwei?treibenden Temperaturen einfach komplett einstelle?
Tobias Klingelh?fer: Das ist keine gute Idee. Schon gar nicht, wenn der Arbeitgeber Schutzma?nahmen ergriffen hat, also beispielsweise Fenster, Oberlichter oder Glasw?nde gegen direkte Sonneneinstrahlung sch?tzt. Die Arbeit komplett einzustellen, w?re nur denkbar f?r den Fall, dass wegen der hohen Temperaturen konkrete gesundheitliche Gefahren drohen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer m?ssen aber auch beweisen k?nnen, dass das wirklich der Fall war, wenn der Arbeitgeber nachfragt. K?nnen sie das nicht, m?ssen sie mit einer Abmahnung oder unter Umst?nden sogar mit einer K?ndigung rechnen.

Wie sieht es denn mit der Kleiderordnung aus, wenn einem st?ndig der Schwei? in den Kragen l?uft?
Tobias Klingelh?fer: Selbst in konservativen Berufen kann und sollte der Arbeitgeber dar?ber nachdenken, bestehende Kleidungsvorschriften zu lockern und auf Kost?m, Anz?ge und Krawatten zu verzichten. Stattdessen sollte er seinen Mitarbeitern erlauben, mit atmungsaktiver, luftdurchl?ssiger Kleidung und leichtem Schuhwerk die K?rpertemperatur in Schach zu halten. Wenn es aber einen festen Dresscode am Arbeitsplatz gibt, m?ssen sich die Mitarbeiter leider auch bei hohen Temperaturen danach richten.

Und was ist mit allen, die drau?en in der prallen Sonne arbeiten m?ssen, beispielsweise G?rtner, Bauarbeiter oder Dachdecker?
Tobias Klingelh?fer: Deren Arbeitgeber m?ssen laut dem B?rgerlichen Gesetzbuch daf?r sorgen, dass sie vor Gesundheitsgefahren gesch?tzt sind. Zum Beispiel durch das Aufstellen von Ventilatoren, mehr Pausen und indem sie kostenlose Getr?nke bereitstellen. Eine K?rzung der t?glichen Arbeitszeit oder eine Verlegung der Arbeitsstunden in k?hlere Morgen- oder Abendstunden ist auch m?glich – und auf dem Bau k?nnen auch Markisen, Schatten spendende Planen oder Schirme sowie UV-Schutzkleidung, Kopfbedeckungen mit Nackenschutz, Sonnenbrillen oder Sonnencreme vom Chef gestellt oder bezahlt werden. All das ist aber kein Muss f?r den Arbeitgeber, sondern ein Kann!

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