Ladepunkte allein sichern keine gute Versorgung: Entscheidend sind Erreichbarkeit, Bedarf und wirtschaftliche Standorte – wie eine neue Analyse zur öffentlichen Ladeinfrastruktur zeigt.
Überraschende Versorgungslücken bei öffentlicher Ladeinfrastruktur
Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland schreitet voran. Vor dem Hintergrund des EU-weiten Ziels, bis 2050 klimaneutral zu werden, gewinnt eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur weiter an Bedeutung. Doch eine neue Analyse zeigt: Die reine Anzahl an Ladepunkten ist kein verlässlicher Indikator für eine gute Versorgung. Entscheidend ist, ob Ladepunkte dort verfügbar sind, wo Elektro- und Hybridfahrzeuge unterwegs sind – und ob Haushalte und Unternehmen sie auch gut erreichen können.
Ein neues Dashboard zum E-Mobility-Versorgungsgrad macht diese Unterschiede auf Gemeindeebene sichtbar. Es kombiniert Daten zum Bestand von Elektro- und Hybridfahrzeugen, zur öffentlichen Ladeinfrastruktur sowie zur räumlichen Erreichbarkeit von Ladepunkten für Haushalte und Unternehmen. Damit beantwortet das Dashboard eine zentrale Frage für Kommunen, Energieversorger, Ladeinfrastrukturbetreiber und die Öffentlichkeit: Wo passen Angebot und Nachfrage beim öffentlichen Laden zusammen – und wo entstehen Versorgungslücken?
Anzahl der Ladepunkte ist kein Maßstab
Besonders auffällig: Einige Flächenländer schneiden beim Verhältnis von Fahrzeugen zu Ladepunkten vergleichsweise gut ab, weisen aber dennoch eine deutlich geringere Erreichbarkeit auf. Eine hohe Zahl an Ladepunkten garantiert also noch keine gute Versorgung, wenn diese räumlich ungünstig verteilt sind.
Deutschlandweit kommen derzeit rund 25 Elektro- und Hybridfahrzeuge auf einen öffentlichen Ladepunkt. Gleichzeitig erreichen nur 34 Prozent der Haushalte und 46 Prozent der Unternehmen einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt innerhalb von fünf Gehminuten. Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg liegen bei der Erreichbarkeit deutlich vorn, während viele Flächenländer trotz teils guter Ladepunktdichte größere Lücken in der räumlichen Abdeckung zeigen.
Handlungsbedarf nicht nur im ländlichen Raum
Der größte Ausbaubedarf besteht damit nicht nur in ländlichen Regionen. Auch bevölkerungsreiche Länder mit stark wachsendem Fahrzeugbestand, insbesondere Nordrhein-Westfalen und Hessen, müssen ihre Ladeinfrastruktur gezielt weiterentwickeln, damit der Versorgungsgrad nicht hinter der steigenden Nachfrage zurückbleibt.
Der Unterschied zwischen urbanen und ländlichen Räumen bleibt dennoch deutlich. In Gemeinden mit bis zu 5.000 Einwohnern teilen sich durchschnittlich 27,9 Elektro- und Hybridfahrzeuge einen öffentlichen Ladepunkt. Nur 13,6 Prozent der Haushalte und 20,0 Prozent der Unternehmen erreichen dort einen Ladepunkt innerhalb von fünf Gehminuten. In Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern liegt der Wert bei 22,3 Fahrzeugen je Ladepunkt; zugleich erreichen 61,2 Prozent der Haushalte und 72,4 Prozent der Unternehmen einen Ladepunkt in fünf Gehminuten.
Standortqualität wird zum Schlüsselfaktor
„Erst das Zusammenspiel von Fahrzeugbestand, Ladeinfrastruktur und Erreichbarkeit liefert ein realistisches Bild der Versorgung“, sagt Dirk Schneider, Geschäftsführer. „Die Analyse zeigt, dass es künftig weniger um den reinen Ausbau nach Anzahl gehen darf. Ladeinfrastruktur muss dort entstehen, wo reale Nachfrage besteht und Standorte für Haushalte, Unternehmen und Pendler gleichermaßen erreichbar, wirtschaftlich und attraktiv sind.“
Mehr Transparenz für Planung und Investitionen
Das Dashboard richtet sich an Kommunen, Energieversorger, Ladeinfrastrukturbetreiber und die interessierte Öffentlichkeit. Es unterstützt dabei, Versorgungslücken zu erkennen, Investitionen besser zu priorisieren und den Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur gezielter zu planen.
Über das Dashboard
Das Dashboard zum E-Mobility-Versorgungsgrad analysiert auf Gemeindeebene den Bestand von Elektro- und Hybridfahrzeugen, öffentliche Ladepunkte sowie deren Erreichbarkeit für Haushalte und Unternehmen. Datengrundlage sind unter anderem Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes, das Nexiga-Ladesäulenkataster und die Nexiga-Gebäudedatenbank.
Das Dashboard steht unter folgendem LINK zur Verfügung.
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