Hightech für Europas Verteidigung: Entwickeln unter Zeitdruck

Forschung, Industrie und Regierungen müssen enger zusammenarbeiten

Hightech für Europas Verteidigung: Entwickeln unter Zeitdruck

Blueprint: Christoph Spranger, Yvonne Weitsch, Matteo Berioli mit Moderatorin Sarah Yvonne Elsser (Bildquelle: CADFEM Germany GmbH / Nadine Wilhelm Fotografie)

Grafing b. München, 28. Juli 2026 – Hightech kann bei der Verteidigung Europas eine bedeutende Rolle spielen – wenn dafür die Möglichkeiten von Digital Engineering ausgereizt und die Zusammenarbeit von Forschungsabteilungen, Industrie und Staaten intensiviert werden. Zu dieser Einschätzung kamen führende Köpfe von Rohde & Schwarz, VITES und AUGUSTA SPACE beim jüngsten Blueprint Talk, der live aus dem Headquarter des Simulations-Anbieters CADFEM in Grafing bei München übertragen wurde. Über eine Stunde lang sprachen die Experten teils im Austausch mit dem Streaming-Publikum darüber, was Firmen, Ingenieure und Technologie-Verantwortliche zur Souveränität und Resilienz Europas beitragen können.

So betonte etwa Dr. Yvonne Weitsch, Market Segment Manager Aerospace & Defense beim Münchner Technologiekonzern Rohde & Schwarz, dass sich Satelliten- und Antennentechnologien von einem Nischenmarkt zu einer Schlüsseltechnologie für resiliente Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen entwickelt haben. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und der wachsenden Bedeutung kritischer Infrastrukturen würden sichere und zuverlässige Kommunikationsnetze weiter an Bedeutung gewinnen. „Informations-Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für Sicherheit und gesellschaftliche Resilienz“, sagte sie. Um Europas technologische Souveränität langfristig zu stärken, sei eine noch engere Zusammenarbeit von Forschung, Industrie und öffentlichen Institutionen sowie eine gemeinsame europäische Innovations- und Technologiestrategie erforderlich.

Know-how und Entwicklung zurück nach Europa holen

Aber auch Branchen wie etwa Automotive haben für Europas Verteidigung eine große Bedeutung. Bei den Entwicklungsansätzen könne Defense einiges von der Automobilindustrie lernen. Sie liefere „hochmoderne Technologien und Forschungsergebnisse sowie die nötige Verfügbarkeit gut ausgebildeter Ingenieure“, betonte Dr.-Ing. Christoph Spranger, CTO von VITES. Bei Innovationen und Entwicklung habe sich Europa über Jahre stark auf die Automotive-Branche ausgerichtet und andere Technologien vernachlässigt. Zum Teil seien Ergebnisse und Innovationen aus dem Automotive-Bereich auf militärische Zwecke übertragbar. Grundsätzlich sei man aber in Europa militärisch aktuell „auf externe Partner und deren Technologie angewiesen“.

Auch Dr. Matteo Berioli, Gründer & CEO des Start-ups AUGUSTA SPACE GmbH und früher unter anderem beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig, betonte, dass die Entwicklung einiger Technologien, wie beispielsweise elektronisch gesteuerte Satellitenantennen, hauptsächlich außerhalb Europas stattgefunden habe. „Nun ist es wichtig, diese Technologien für die Anwendung im zivilen wie im militärischen Bereich wieder nach Europa zurückzuholen.“

Anforderungen an Produkte für militärische Zwecke extrem komplex

Alle drei Gesprächspartner stellten klar, dass dies aktuell unter enormem Zeitdruck geschehe. Die Simulation am Computer könne die Entwicklung gegenüber herkömmlichen physischen Tests extrem beschleunigen. Daher entwickelt beispielsweise Rohde & Schwarz zusammen mit führenden Simulationspartnern Digital Twins, die die Lücke zwischen Simulation und realer Messung schließen und so schnellere, präzisere und realitätsnahe Entwicklungsprozesse ermöglichen.

Allerdings sei gerade im militärischen Bereich die Funktionalität der Technologien komplex und deren Planung entsprechend anspruchsvoll. Die Geschwindigkeit von Entwicklung und Produktion sei sehr wichtig, „aber es muss am Ende auch verlässlich funktionieren. Man kann eben nicht beides gleichzeitig maximal haben: Eine Decke ist kurz, wie man in Italien sagt: Zieht man sie an einer Stelle höher, fehlt der Bereich woanders“, betonte Matteo Berioli. Probleme tauchen immer wieder auf, wenn eine Technologie ohne ausreichende Tests auf den Markt gehe. Aber Fehler, die im Feld entdeckt werden, ließen sich durch häufige Software-Updates und kurze Update-Zyklen schneller korrigieren.

Gerade der Einsatz von Antennen- und Satellitentechnologie stelle hohe Anforderungen. So müsse zum Beispiel die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) kritisch und intensiv geprüft werden. „Viele Bedingungen müssen kombiniert und auf ein Produkt heruntergebrochen werden“, betonte Christoph Spranger. Die Entwicklung und Produktion müsse gleichzeitig Budget-Vorgaben der meist staatlichen Auftraggeber entsprechen – oftmals ein Balanceakt.

Außerdem – auch das eine Besonderheit in der Entwicklung von Militärtechnik – gebe es selten konkrete technische Wünsche. „Normalerweise sagen Kunden, was sie möchten, dann wird das entwickelt und produziert“, so Matteo Berioli. Im Militär sei nicht immer absehbar, wie sich der technologische Bedarf in Zukunft entwickele. Es bleibe das Risiko, dass wie im Fall des deutsch-französischen Kampfflugzeug-Projekts FCAS die Lösung am Ende nicht passt oder aus politischen Gründen nicht realisiert wird. Gleichwohl bleibe Europa nur eine gemeinsame technologische Entwicklung, um militärischen Herausforderungen begegnen zu können.

Virtuelle Simulation für Drohnen, Luft- und Raumfahrt unverzichtbar

Auf die Bedeutung solcher Kooperationen hatte im Vorfeld des Talks Dr.-Ing. Jan-Philipp Fürstenau hingewiesen, der zusammen mit Patrick Lorenz das Thema Defense bei CADFEM verantwortet. „Seit den frühen 2000-er Jahren arbeiten wir mit Rüstungsunternehmen sowie Unternehmen der Luft- und Raumfahrt zusammen, führen Projekte für Industrie und Streitkräfte aus und bieten Schulungen sowie Support für Simulations-Software.“ Gerade bei Luft- und Raumfahrt sei Simulation „schon immer ein riesiges Thema“. Da Tests im Weltall teuer und unrealistisch sind, sich auf der Erde aber vergleichbare Bedingungen nur schwer herstellen ließen, komme der Simulation eine gewaltige Bedeutung zu.

Bei der Entwicklung von Drohnen hingegen finde Simulation häufig erst bei der Weiterentwicklung Anwendung, etwa um „Schwachstellen gezielt auszumerzen“. Der CADFEM-Ingenieur unterstreicht damit die Aussagen der drei Talkgäste. Sie hatten betont, dass es gerade im militärischen Bereich immer Vorkommnisse und Anforderungen gebe, die virtuell nicht abschließend geprüft werden können, weshalb herkömmliche physische Tests immer noch ihre Bedeutung haben. Auch KI stoße an ihre Grenzen. Maschinelles Lernen sei eminent wichtig, aber „wir müssen darauf achten, dass Menschen die Kontrolle behalten“, betonte Matteo Berioli.

Die Aufzeichnung des Blueprint-Talks ist verfügbar unter: https://resources.cadfem.net/de/blueprint/sichert-high-tech-europas-zukunft/event

CADFEM wurde 1985 in Deutschland gegründet und ist heute mit über 600 Beschäftigten an weltweit 35 Standorten einer der größten Anbieter von Simulationstechnologie und Digital Engineering. Als Ansys Elite Partner setzt CADFEM auf die führende Technologie von Ansys, einem Teil von Synopsys, Inc., und bietet über die Software hinaus Beratung, Simulations-Berechnungen, Automatisierungen und IT-Lösungen bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Produkt- und Prozessoptimierung. Mit Schulungen zu über 100 verschiedenen Themen ist CADFEM zudem einer der weltweit größten Weiterbildungsanbieter in der Technologie-Branche. Die einzelnen Ländergesellschaften betreuen in Europa, Indien und Südostasien mehr als 5.000 Firmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zur CADFEM Group gehören außerdem Partner unter anderem in den Bereichen Autonomes Fahren, Virtuelle Städte, Personalisierte Medizin und Smart Factories.

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Von PRGateway