Eigene Zähne verlängern das Leben

Senioren behalten ihre Zähne heute deutlich länger als frühere Generationen. Die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) belegt mit Langzeitdaten den Erfolg guter Vorsorge.
2005 waren noch 22,6 Prozent der 65- bis 74-Jährigen zahnlos. 2023 lag der Anteil nur noch bei 5 Prozent. Gleichzeitig sank die Zahl fehlender Zähne von durchschnittlich 14,1 auf 8,6. Die Zahl funktionstüchtiger Zähne stieg deutlich – von 13,6 auf 18,8. Besonders auffällig: Rund 40 Prozent der heute 73- bis 82-Jährigen verloren im Untersuchungszeitraum von neun Jahren keinen einzigen Zahn.

Das Ende der dritten Zähne

Totalprothesen werden zur Ausnahme. Festsitzender Zahnersatz – individuell im Dentallabor gefertigt – prägt das Bild in den Praxen. „Heutige Generationen altern mit Zähnen. Das ist eine überaus positive Entwicklung. Viele eigene Zähne bedeuten tatsächlich ein deutliches Plus an Lebenserwartung und -qualität“, erklärt Prof. Dr. Ina Nitschke, Spezialistin für Seniorenzahnmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.

Besser kauen, länger leben

Der Zusammenhang zwischen Zähnen und Lebenserwartung gilt heute als wissenschaftlich gesichert. Eine japanische Langzeitstudie mit mehr als 85.000 Bewohnern von Senioreneinrichtungen zeigt: Menschen über 85, die noch mindestens 20 eigene Zähne hatten, lebten deutlich länger als Gleichaltrige mit stark reduziertem Gebiss. Die Gründe liegen auf der Hand. Wer gut kaut, kann sich ausgewogener ernähren. Der Körper bekommt mehr Vitamine, Mineralstoffe und Eiweiß. Das schützt vor Mangelernährung und reduziert somit das Risiko für Gebrechlichkeit. Optimal sitzender Zahnersatz unterstützt die Kaufähigkeit. Ist diese eingeschränkt, greifen Menschen oft zu weichen, stark verarbeiteten oder süßen Lebensmitteln. „Fehlende Zähne in Kombination mit schlecht passendem Zahnersatz verändern den gesamten Lebensstil“, sagt Prof. Dr. Ina Nitschke. „Viele Menschen essen schlechter, ziehen sich zurück und verlieren Lebensqualität.“

Jeder Zahn zählt

Auch Untersuchungen der Boston University und der Columbia University fanden den direkten Zusammenhang zwischen Zähnen und allgemeiner Gesundheit. Menschen, die mit 65 Jahren fünf oder mehr Zähne verloren hatten, erkrankten häufiger an Diabetes und/oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ihre Lebenserwartung sank messbar. Zähne entscheiden im Alter sogar über die Selbstständigkeit. Das zeigt eine britisch-japanische Studie mit mehr als 5.600 Erwachsenen. Jeder zusätzlich erhaltene natürliche Zahn senkte das Risiko für Einschränkungen im Alltag um durchschnittlich 3,1 Prozent. Menschen mit nur zehn eigenen Zähnen brauchten deutlich häufiger Hilfe beim Einkaufen, Kochen oder bei der Medikamenteneinnahme als Personen mit 20 natürlichen Zähnen. „Die Erklärung geht weit über das Kauen hinaus. Mit jeder Zahnlücke sinkt die soziale Teilhabe. Kontakte nehmen ab. Einsamkeit steigt. Das beeinflusst unmittelbar die Gesundheit und die Lebenserwartung. Zähne sind kein kosmetisches Detail, sie unterstützen ein selbstbestimmtes Altern“, so Prof. Dr. Ina Nitschke.

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