Die Pflegeversicherung steckt tief in den roten Zahlen. Der Referentenentwurf sieht nun höhere Beiträge, stren-gere Pflegegrade und Leistungskürzungen vor. Betroffen wären Millionen Versicherte.
Sie ist eine verdrängte Wirtschaftskrise und eine der größten HR-Herausforderung unserer Zukunft: die Pflege eines Angehörigen und ihre Folgen für Unternehmen und ihre Mitarbeiter.
Die Debatte um den Fachkräftemangel in Deutschland übersieht einen entscheidenden blinden Fleck. Während Unternehmen intensiv über die Vier-Tage-Woche oder Kinderbetreuung diskutieren, rollt im Hintergrund eine weitaus größere demografische Welle auf den Mittelstand zu: Die Pflegebedürftigkeit im Allgemeinen, aber vor allem der Babyboomer-Generation. Wenn die eigenen Eltern ins Alter kommen, geraten berufstätige Kinder in einen unsichtbaren und extrem belastenden Zweitjob: die Versorgung ihrer Eltern. Die Pflegeexpertin und Rednerin Angelika Niedermaier warnt vor den wirtschaftlichen Folgen und fordert ein radikales Umdenken in den Chefetagen. Der gerade neu eingebrachte Referentenentwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) erhitzt aktuell die Gemüter der Gesellschaft und birgt enorme Ängste bei pflegenden Angehörigen, die zu einem hohen Anteil auch Mitarbeiter und Fachkräfte in Unternehmen sind.
Mittelstand im Zangengriff der Demografie
Der deutsche Arbeitsmarkt steht daher unter einem enormen Druck. Dass gut ausgebildete Fachkräfte fehlen, ist längst keine Prognose mehr, sondern spürbare Realität in fast jeder Branche. Doch der aktuelle Fachkräftemangel hat eine weitere Ursache, über die in den Personalabteilungen bisher kaum gesprochen wird: Das steigende Alter der Gesellschaft und die damit einhergehende Pflegekrise. Wenn Leistungsträger im Alter zwischen 45 und 60 Jahren plötzlich die Pflege ihrer Eltern organisieren müssen, betrifft das direkt die wertvollsten Mitarbeiter eines Unternehmens. Es sind die erfahrenen Wissensträger, Führungskräfte und Spezialisten, die durch diese emotionale und organisatorische Belastung an ihre Grenzen stoßen.
„Wir erleben einen schleichenden, unsichtbaren Verlust von Produktivität – den _silent_ _drain_“, erklärt Rednerin Angelika Niedermaier. Die ehemalige Heim- und Regionalleiterin sowie erfahrene Pflegeberaterin kennt beide Seiten: das kollabierende Pflegesystem und die Nöte der Wirtschaft. „Unternehmen verlieren im Zuge der Pflegekrise tagtäglich wertvolle Mitarbeiter, weil diese ihre Arbeitszeit reduzieren oder das Unternehmen ganz verlassen müssen, um die Betreuung der Angehörigen zu sichern. Das verschärft den ohnehin akuten Fachkräftemangel massiv.“
In ihrem Vortrag zu den Themen Pflegekrise, Fachkräftemangel, Mitarbeiter, Alter und Innovationen „Strategien für die Pflege der Zukunft“ greift sie in ihre Erfahrungs-Schatzkiste und zeigt die Szenarien schonungslos auf. Sie holt im Vortrag das Thema Pflege und Alter aus der sozialen „Mitleidsecke“ und bringt es dort hin, wo es hingehört – auf die strategische Agenda der Geschäftsführung.
Vom „Silent Drain“ zum wirtschaftlichen Risiko
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Wenn das Alter der Eltern eine Fortführung der normalen Arbeitszeit unmöglich macht, geraten Betroffene in das sogenannte „Sandwich-Management“: Sie werden zwischen den Anforderungen des Berufs, der eigenen Familie und der Pflege der Eltern aufgerieben. Für Arbeitgeber bedeutet dies ein immenses Risiko. Zum einen droht der „Silver-Exit“ – der plötzliche Ausfall von Fachkräften, deren langjähriges Know-how unersetzbar ist. Zum anderen führt die Pflegekrise zu einem Phänomen, das Niedermaier als „Silent Drain“ bezeichnet: Mitarbeiter sind zwar körperlich im Büro anwesend, mental aber völlig blockiert durch den Bürokratie-Dschungel des Pflegesystems. Die Folge sind Fehler, Fehlzeiten und ein dramatischer Abfall der Leistungsfähigkeit.
Um in Zeiten, in denen Fachkräfte Mangelware sind, wettbewerbsfähig zu bleiben, reicht die klassische familienfreundliche Ausrichtung mit Fokus auf Elternzeit nicht mehr aus. Das Thema Alter muss strategisch in die HR-Prozesse integriert werden. Wer als Arbeitgeber heute keine Lösungen für die Pflegekrise der eigenen Belegschaft anbietet, verliert im „War for Talents“ wertvollen Boden.
Gefragt sind echte Innovationen im Personalmanagement
Wie sieht also die Lösung aus? In ihrem Vortrag plädiert Rednerin Angelika Niedermaier für den raschen Aufbau einer „pflegerobusten Unternehmenskultur“. Hierfür braucht es soziale und organisatorische Innovationen in den Betrieben. Unternehmen müssen aufhören, das Thema Pflege als reines Privatsache-Problem zu betrachten. Zu den notwendigen Innovationen gehören flexible, pflegesensible Arbeitszeitmodelle, die Schulung von Führungskräften und die Etablierung von internen Erstansprechpartnern für Betroffene.
„Wir brauchen mutige Innovationen statt starrer Muster“, so Rednerin Angelika Niedermaier. „Betriebe, die hier innovative Wege gehen, sichern sich einen unschätzbaren Vorteil auf dem Arbeitsmarkt. Sie fangen ihre Mitarbeiter auf, bevor der Burnout droht, und positionieren sich im Employer Branding als echte Vorreiter.“ Letztlich zeigt sich: Die Bewältigung der Pflegekrise ist kein reines Wohlfühlthema, sondern ein knallharter Business-Case für jedes zukunftsorientierte Unternehmen. Nur durch gezielte Innovationen im Umgang mit dem demografischen Wandel lässt sich der Fachkräftemangel langfristig abfedern und die Leistungsfähigkeit der wichtigsten Mitarbeiter sichern.
Über Angelika Niedermaier: Angelika Niedermaier ist Impulsrednerin, zertifizierte Pflegeberaterin, Buchautorin und strategische Partnerin für Unternehmen. Als ehemalige Heimleiterin und langjährige Pflegeberaterin bringt sie exklusives Insider-Wissen auf die Bühne. Sie zeigt Vorständen, Geschäftsführern und HR-Verantwortlichen, wie sie durch eine pflegerobuste Unternehmenskultur den demografischen Wandel meistern, den Fachkräftemangel entschärfen und ihre wirtschaftliche Resilienz sichern.
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Pflegeberatung Regensburg – HilDa UG (hb)
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Die vielen Biographien ihrer Klienten und Erkenntnisse aus jahrzehntelanger Tätigkeit in der Pflegebranche haben nicht nur das eigene Leben von Angelika Niedermaier stark beeinflusst, sondern haben sie auch dazu inspiriert, mit ihrer Expertise und ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Als Rednerin will sie den Fokus noch mehr auf brisante Themen legen und sowohl Gesellschaft als auch Unternehmen aufrütteln, den Blick auf das Alter, das Älterwerden, auf die damit verbundenen gesellschaftlichen und persönlichen Lebensthemen zu verändern. Aus ihren Vorträgen nehmen die Zuhörer wertvolle Impulse mit, die inspirieren und nachdenklich stimmen. Seit 2016 ist Angelika Niedermaier zudem selbständig als zertifizierte Pflegeberaterin § 7a SGB XI. Jahrzehnte vorher war sie selbst pflegende Angehörige, Heimleiterin und vor ihrer Selbständigkeit Regionalleitung von zehn Pflegeheimen bayernweit.
Sie hat daher nicht nur eine hohe Expertise, wenn es um Alter und Pflege geht, sondern bringt auch noch eine hohe Kompetenz als Unternehmerin und Führungskraft mit. Mit Mut und Menschlichkeit zu führen, war stets ihre Haltung, von der nicht nur die Mitarbeiter sondern vor allem auch das Unternehmen sehr stark profitiert haben.
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