Eine Studie aus Helsinki zeigt: Empathie synchronisiert Gehirne. Was das für wirkungsvolle Führung bedeutet, erklärt Uli Funke von der Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N.
Vlotho, 29. Juni 2026. Dass gute Zusammenarbeit sich »stimmig« anfühlt, ist eine Alltagserfahrung. Dass sich dahinter ein messbarer Vorgang im Gehirn verbirgt, legt eine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung der Universität Helsinki nahe. Das Forschungsteam um Mauricio Falcon zeichnete mit Elektroenzephalografie die Hirnaktivität von 46 Personen auf, während diese gemeinsam Aufgaben lösten. Das Ergebnis: Zwischen den Gehirnen der Beteiligten entstand eine messbare Synchronie, besonders in den höheren Frequenzbändern. Wie stark sich die neuronalen Muster anglichen, ließ sich an einem Persönlichkeitsmerkmal ablesen, der dispositionalen Empathie, also der Neigung, sich gedanklich in das Erleben anderer hineinzuversetzen.
Wer diese Fähigkeit stärker ausgeprägt hatte, dessen Gehirn schwang während der Kooperation enger mit dem des Gegenübers mit. Damit liefert die Studie einen Hinweis auf die biologische Grundlage von etwas, das in Teams und Führungsbeziehungen seit Langem beschrieben, aber selten gemessen wird: dass Verbundenheit nicht nur Stimmung ist, sondern Zusammenarbeit messbar prägt.
Die Untersuchung wurde nicht in einem Führungskontext durchgeführt, sondern an Personen in einer kooperativen Aufgabensituation. Eine direkte Übertragung auf den Arbeitsalltag verbietet sich daher. Dennoch berührt der Befund einen Kern dessen, womit Führung tagtäglich zu tun hat. Führung ist Zusammenarbeit, und Zusammenarbeit lebt von der Fähigkeit, andere zu erreichen. Genau hier setzt das Konzept der Führungswirkung an, das die angewandte Neurowissenschaft seit einigen Jahren genauer beschreibt.
»Empathie gilt vielen noch immer als weiche Eigenschaft, als nettes Extra«, erklärt Uli Funke, Gründer und Leiter der Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N. »Befunde wie dieser zeigen, dass es um etwas Handfestes geht. Wer sich in andere hineinversetzen kann, stellt eine Verbindung her, die sich bis in die Gehirnaktivität verfolgen lässt. Für wirkungsvolle Führung ist das keine Nebensache, sondern der Mechanismus, über den Resonanz überhaupt entsteht.«
In der angewandten Neurowissenschaft wird Führungswirkung über mehrere Dimensionen beschrieben. Eine davon ist Resonanz und Beziehung, also die Frage, wie stark eine Führungskraft mit den Menschen um sie herum tatsächlich in Verbindung steht. Andere Dimensionen betreffen Sinn und Motivation, Sicherheit und Vertrauen, Selbstregulation sowie Werte und Haltung. Das Modell der fünf Wirkungsdimensionen liegt dem Buch »Der Leadership Impact Code« und seinem Ansatz zur wirkungsvollen Führung zugrunde, das Uli Funke gemeinsam mit Prof. Dr. Bruno Haller verfasst hat. Es führt die Erkenntnisse zusammen, dass Führungswirkung nicht auf Charisma oder Technik beruht, sondern auf nachvollziehbaren biologischen Gesetzmäßigkeiten.
Der Befund aus Helsinki fügt sich in dieses Bild. Resonanz lässt sich nicht erzwingen, aber sie hat eine Grundlage, die sich beschreiben und entwickeln lässt. Empathie ist dabei kein Talent, das man hat oder nicht hat, sondern eine Haltung, die sich schulen lässt. Für Führungskräfte, die ihre Führungswirkung verstehen und ausbauen wollen, ist das eine ermutigende Nachricht: Die Fähigkeit, andere zu erreichen, ist kein Zufall, sondern Übungssache. Wirkungsvolle Führung beginnt damit, diese Verbindung bewusst zu gestalten.
Empathie als zwischenmenschliche Fähigkeit ist seit Langem Gegenstand der neurowissenschaftlichen Forschung. Einen Überblick über die Neurobiologie des Mitfühlens gibt das Wissenschaftsportal dasGehirn.info.
Über A|F|A|N
Die Akademie für angewandte Neurowissenschaft A|F|A|N (AFAN Solutions GmbH) vermittelt seit 2021 neurowissenschaftlich fundiertes Wissen für Menschen in Führung, Training, Coaching und Organisationsentwicklung. Gründer Uli Funke hat mit BRAIN FOR BUSINESS® eine praxisnahe Weiterbildung entwickelt, die neurobiologische Erkenntnisse direkt in den beruflichen Alltag überträgt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Bruno Haller bietet A|F|A|N außerdem die Weiterbildung zum NEURO IMPACT COACH® an. Weitere Informationen: afan.academy
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